The long way to a small angry planet (Wayfarers 1)

Nach der Lektüre der kleinen „Monk & Robot“-Reihe von Becky Chambers wollte ich unbedingt ihren „großen“ Klassiker kennen lernen, von dem ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte: Die Wayfarers-Reihe. Vier Bücher über das Raumschiff Wayfarer und seine Besatzung. Mehrere, die meine Rezensionen zu Becky Chambers gelesen hatten, haben mir diese Reihe wärmstens empfohlen – danke dafür!

Irgendwie hatte ich bei einer Raumschiff-Story vermutlich etwas mehr „Action“ erwartet. Aber die Stärken dieses Buches liegen woanders:

Die „Wayfarer“ ist eine Art Tunnelbohrschiff, das Verbindungen zwischen weit entfernten Regionen der Galaxis herstellen kann, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Art „schwarzes Loch“, aber in jedem Fall eine Verzerrung der Raumzeit. Eine sehr herausfordernde, aber auch lukrative Aufgabe. Die überschaubare Besatzung besteht aus Mitgliedern verschiedenster Spezies sowie einer KI mit einer ganz eigenen Persönlichkeit.

Die Wayfarer bekommt einen überaus lohnenden, aber auch anspruchsvollen Auftrag und ist dafür ungefähr ein „Standard“ unterwegs, was wohl deutlich länger ist als ein Jahr auf der Erde. Unterwegs finden verschiedene Begegnungen statt – mit weiteren Spezies, mit Familienmitgliedern und Geliebten und vieles mehr. Nach und nach erfahren wir mehr über die Wesen an Bord des Schiffes. Ihre dunklen Geheimnisse, ihre Geschichte, ihre heimliche Liebe, die Besonderheiten ihrer jeweiligen Spezies, was sie bewegt und antreibt. Das ist eigentlich ähnlich wie bei „Monk & Robot“: Die Story selbst ist relativ einfach gestrickt, aber die Hintergründe, die Gedanken, die Motive der einzelnen Handelnden stehen im Vordergrund.

Ein wenig ist es wie in der Startrek-Serie: Das Raumschiff fliegt so vor sich hin, hat hier eine Begegnung und dort eine, löst eventuell ein Problem und dann geht’s wieder weiter. Die Reihenfolge dieser Begegnungen wäre weitgehend austauschbar, wenn man davon absieht, dass manchmal neue Freunde eingeführt werden, die später nochmal eine Rolle spielen, oder es eine neue Erkenntnis über eins der Besatzungsmitglieder gibt.

Zwar gibt es durchaus auch Konflikte, dennoch überwiegt ein freundlich-freundschaftlicher Umgangston zwischen allen so sehr, dass ich es fast irritierend fand. Empathie, Vielfalt und Zusammenarbeit stehen in diesem Buch im Vordergrund, was ja eigentlich ein sehr positiver Blick auf die Welt ist. Selbst mit den Piraten, die das Schiff überfallen, lässt sich am Ende eine Übereinkunft finden, die für beide Seiten mehr oder weniger gut ist, zumal der Auftraggeber, die „Galactic Commons“ (eine große Allianz vieler Spezies, der seit kurzem auch die Menschheit angehört) für die Schäden aufkommt.

So plätschert das Buch ein wenig dahin. Dabei gibt es hier aber so vieles zu entdecken: Wirklich originelle Spezies mit dezidiert besonderen Eigenschaften, die ich teilweise so wirklich noch nie gehört hatte. Rätselhafte Übereinstimmungen zwischen allen Spezies. Verschiedenste Arten, Nachwuchs zu bekommen und aufzuziehen. Und auch schwierige ethische Fragestellungen zu Tod und Leben.

Nicht ganz klar wurde mir am Ende, warum die Hinreise zum Zentrum der Galaxis so lange dauerte trotz der vorhandenen Tunnel und dem „Schleppschiff“, das die Wayfarer das letzte Tunnel-lose Stück mit einer anderen, aber für alle auch körperlich belastenden Technik zum Ziel brachte. Der Rückweg schien überhaupt kein großes Problem zu sein. Aber gut, vielleicht habe ich die Erklärung auch einfach nur überlesen.

Ich fand das Buch schön zu lesen und habe mich gern in dieses ganz eigene Universum eingefühlt. Es war schön, bei allen Herausforderungen so eine grundsätzlich positive Stimmung zu erleben. Vermutlich war es nur meine Erwartungshaltung an so eine „Space Opera“, dass hier mehr Action stattfinden müsste und auch mehr Spannung enthalten sein müsste. Was mich bei „Monk & Robot“ begeistert hat, empfand ich hier zu meinem eigenen Erstaunen eher als Minuspunkt.

Trotzdem: Ich werde sicher noch das nächste Buch lesen, denn ich will schon wissen, wie es mit diesen ausgesprochen sympathischen Wesen weitergeht.

Vier von fünf Kuschelpunkten (ich weiß, das wird manche enttäuschen, aber mehr kann ich hier nicht vergeben.)

Kuschelpunkte
Buchinformationen

Becky Chambers: The Long Way to a Small, Angry Planet (Wayfarers 1), Paperback, 404 Seiten, Hodder Dezember 2015, ISBN 9781473619814

deutsche Ausgabe: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten, Softcover, 544 Seiten, EAN 9783596035687, Oktober 2016, Verlag/Hersteller FISCHER TOR, übersetzt von Karin Will

Sprache (gelesen)
Englisch
Sprache (Original)
Englisch

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