Texte vom Oberndorfer Karfreitag 2018
Ablauf und Texte des Oberndorfer Karfreitags am 30.3.2018
"Im Dunkel unsrer Nacht"
Ablauf und Texte des Oberndorfer Karfreitags am 30.3.2018
"Im Dunkel unsrer Nacht"
Ich öffnete mein Herz
zum ersten Mal seit urlanger Zeit.
Knarrend, stockend, zögernd nur
bewegte sich
die alteiserne rostige Tür.
Ich blickte hinein
und schreckte zurück.
Dunkel
lag leise, leblos, leer, verlassen
Staub
formte feine Fäden vor den fahlen Fenstern
Sorgen
türmten tausend trübe Trauertode
Nacht
dräute drohend dunkel, düster, dauernd, drängend
Die Türe zu!
Weg damit, weg damit!
doch er, er sprach nur:
Mein Lebenston wird schon sehr bald verklingen.
In hundert Jahren weiß kein Mensch von mir.
Bis dahin will ich dir zum Lobe singen.
Bis dahin bringe ich mein Loblied dir.
Ich leb und liebe, doch du setzt den Rahmen.
Ich hoff und singe, bete ohne Ruhn.
Doch einmal ist‘s genug, ich spreche „Amen“
und leg in deine Hände all mein Tun.
Weihnachten
so oft gehört,
so oft gesehn.
Alle Jahre wieder.
Berührt es mich noch?
Ist heute noch „Heilige Nacht“ – bei mir?
Menschen stehen unter dem Kreuz. Gott fragt: Was habe ich dir getan, dass du gegen mich handelst?
So spricht er zu uns durch den Propheten Micha:
Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir!
und ich stand mit beiden Füßen
schwer am Boden
mitten im ehernen See des Lebens
angefüllt bis an den Rand
mit Leid und
Hass und
Krankheit und
Terminen und
Plänen.
Und ich sah
aufsteigen den Engel
des Herrn
leicht und
strahlend und
vollkommen und
so fröhlich,
fröhlich und vergnügt
Und ich zürnte dem Engel
und sprach:
Siehst du nicht
mein schweres Schicksal
Siehst du nicht
diese ganze Welt
ehern und schwer am Boden?
im Nebel der neusten Nachrichten
suche ich
finde nicht
Zwischen Twitter, Tatort, Tagesschau
suche ich
finde nicht
in Wortwolken voll Widerwärtigkeit im Web
suche ich
finde nicht
Lebenslasten, Leid, Lieblosigkeit
suche nicht
finde ich
Gott, den Gütigen, Gerechten
suche ich
finde nicht
Wo?
Fresko: Der Gelähmte am Teich von Bethesda, St. Johanniskirche Schweinfurt
Am Boden.
Ohne Hoffnung.
Kein Ziel.
Kein Horizont.
Kein Weg.
Komm, oh langersehnter Fürst
des Friedens, komm!
Die ganze Welt schreit
voll Qual, Angst, Hass
Fugen entgleiten
Völker zerfließen
Wahlen auf Messers Schneide
Welt entzwei, mittendurch
unversöhnlich
wir mittendrin.
Komm, oh langersehnter Fürst
des Friedens, komm!
Oh Heiland du,
heile die Welt.
Komm, oh langersehnter Fürst
des Friedens, komm!
Friedensfürst du,
sei bei uns.
Aus den "Klängen in der Nacht" am 9.12.2016
Und ich saß
am Fuß der Zeit
und sah
das Leid des Menschenkindes
in einem Strom
an mir vorbei.
Krankheit Tod Krieg Verfolgung Angst Schmerzen Krebs Drogen Schlauchboote U-Boote Kriegsschiffe Bomben Raketen Ausbeutung Hunger Folter Lager Galgen Fäuste Messer Gewehre
Und ich stand auf
himmelwärts
und hoffte
in einem Strom
in mich hinein
aus mir heraus
Liebe Vertrauen Zuneigung Verantwortung Freundschaft Versöhnung Freundlichkeit Heilung Speisung Freiheit Freude Lachen Geburt Leben