Lyrik

Evolution

zertretene Bierdose in der Natur

Und Eva reichte den Apfel
und Adam nahm
und aß
und sie erkannten die Wahrheit
und es ward dunkel
und siehe: es war sehr schlecht.

Und Adam und Eva suchten
ihr karges Leben zu verbessern

sie bauten und machten untertan
sie hauten um und verbrannten
sie züchteten und schlachteten

sie bauten Karren und Leitern und Äxte und Pflüge und Türme und Städte und Kutschen und Fabriken und Eisenbahnen und Autos und Kühlschränke und Flugzeuge und Bomben und Computer und Plastikberge und – siehe, es war sehr schlecht.

Gott zieht um

Es begab sich aber zu der Zeit,
dass Gott gefunden wurde
im Abstellraum der Kirche
im hintersten Schrank
in einer Kiste
voller Staub.

Peinlich berührt
der Pfarrer, die Mesnerin, der Architekt.
„Was machen wir denn nun mit Ihnen, Gott?“
Er passe so gar nicht mehr hinein
in die moderne Gestaltung
Er wirke ja doch schon recht antiquiert
und überhaupt, kann man das heute noch sagen:
Gott hält die ganze Welt in der Hand?

Predigtslam: Verkaufe alles?!?

Ich werde sterben. Du auch.

Eines Tages, doch nicht heute, und doch todsicher, und die Frage bleibt:
Was bleibt von mir? Was werdet ihr, was werden alle dann wohl berichten über mich?
Werden sie richten über mich oder Gedichte dichten, werden sich die Lücken lichten, werden ganze Schichten sie dazu erdichten, werden sie von meinen Absichten und Ansichten noch berichten, werden sie verzichten, irgendwas dazuzudichten, werden sich Erinnerungen verdichten oder einfach nicht(-), was wird sein – sagen wir: Zwei Jahre danach? Was bleibt? Was bleibt am Grab? Was hattet ihr davon, dass es mich gab?

Dunkelnacht

Ich öffnete mein Herz
zum ersten Mal seit urlanger Zeit.

Knarrend, stockend, zögernd nur 
bewegte sich
die alteiserne rostige Tür.

Ich blickte hinein
und schreckte zurück.

Dunkel
lag leise, leblos, leer, verlassen

Staub
formte feine Fäden vor den fahlen Fenstern

Sorgen
türmten tausend trübe Trauertode

Nacht
dräute drohend dunkel, düster, dauernd, drängend

Die Türe zu!
Weg damit, weg damit!

doch er, er sprach nur:

Du kennst mich

Mein Lebenston wird schon sehr bald verklingen.
In hundert Jahren weiß kein Mensch von mir.
Bis dahin will ich dir zum Lobe singen.
Bis dahin bringe ich mein Loblied dir.

Ich leb und liebe, doch du setzt den Rahmen.
Ich hoff und singe, bete ohne Ruhn. 
Doch einmal ist‘s genug, ich spreche „Amen“
und leg in deine Hände all mein Tun.

Texte vom Oberndorfer Karfreitag 2017

Unser Weg: Allein, in Schuld

Klage und Kyrie: Improperien – dazwischen „erhöre uns Herr“
Improperien I

Menschen stehen unter dem Kreuz. Gott fragt: Was habe ich dir getan, dass du gegen mich handelst?
So spricht er zu uns durch den Propheten Micha:
Was habe ich dir getan, mein Volk, und womit habe ich dich beschwert? Das sage mir!

am Boden

und ich stand mit beiden Füßen
schwer am Boden
mitten im ehernen See des Lebens
angefüllt bis an den Rand
mit Leid und
Hass und
Krankheit und
Terminen und
Plänen.

Und ich sah
aufsteigen den Engel
des Herrn

leicht und
strahlend und
vollkommen und
so fröhlich,
fröhlich und vergnügt

Und ich zürnte dem Engel
und sprach:
Siehst du nicht
mein schweres Schicksal
Siehst du nicht
diese ganze Welt
ehern und schwer am Boden?

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