Warum #Fridaysforfuture mir neue Hoffnung gibt

#FFF-Demo am 24.5.2019 in Schweinfurt

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Ich bin 1970 geboren. Schon aus meiner Kindheit erinnere ich mich an Diskussionen über Umweltverschmutzung und was wir dagegen tun können. Die Sorge um unsere Umwelt hat mich damals schon sehr beschäftigt. Geschehen ist seitdem wenig, wie wir alle wissen.

Eine Erkenntnis ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Ich weiß nicht, wie alt ich war, als mir klar wurde: Das, was da hinten aus dem Auspuff der Autos rauskommt, das ist erstens giftig und geht zweitens einfach in die Luft, die wir atmen. Ich fragte meine Eltern, ob das nicht schädlich sei, und bekam als Antwort in etwa: „Ach was, die Atmosphäre ist so groß, das macht fast gar nichts aus. Schau mal, wie klein unser Auspuff ist.“ Ich blieb skeptisch, schon damals. Aber ich habe mich dran gewöhnt, denn was hatte ich als Kind schon für Möglichkeiten?

Gut, ich habe Kröten über die Straße geholfen. Ich habe nachgefragt, ob wir das Auto nicht auch mal stehen lassen können. Ich habe Umweltschutzpapier verwendet (gibt es den Begriff eigentlich überhaupt noch?). Ich habe fair gehandelte Jutetaschen gekauft, um Plastik zu reduzieren (vor 30 Jahren!!!) Und auch meine Eltern haben manches versucht. Sie waren mit die ersten, die Ende der 70er/Anfang der 80er Warmwasserkollektoren auf dem Dach hatten. Sie haben Papier vom Restmüll getrennt, als sie dafür von den Kollegen noch ausgelacht wurden.

Ich habe viele kleine Schritte getan, für mich. Und manchmal dann auch einfach aufgegeben und mitgemacht, denn: Was kann ich als einzelner schon ändern? Und immer wieder wurdest du ausgelacht und lächerlich gemacht, wenn du zu früh dran warst, so wie damals mit dem Papier. Das war und ist ermüdend. Ich hätte sicher mehr tun können, und doch war mir immer klar: Die großen Veränderungen, die muss die Politik bewirken. Und da lagen die Prioritäten fast immer woanders.

Ich glaube, ich bin nicht der einzige meiner Generation, dem es so oder so ähnlich ging und geht. Wir hätten mehr bewirken können, aber nicht immer hatten wir die Standhaftigkeit, uns für unser „Ökospinner“-Verhalten zu rechtfertigen. Und manchmal waren wir auch einfach zu bequem, um wirklich ökologisch zu handeln. Manchmal waren wir nach all den ätzenden Kommentaren auch zu verzagt, um uns zu outen. 

Ich habe daher allergrößten Respekt vor denen, die sich in der Politik ganz vorne hinstellen und für Ökologie-Themen eintreten. Ihr wisst vermutlich, mit welcher Flut von Hasskommentaren diese Menschen in den sozialen Medien zu kämpfen haben, und euch selbst wird es oft nicht anders gehen. Ich hatte den Mut nicht, mich dem konsequent entgegenzustellen.

Liebe Jugendliche von Fridays for Future, es tut mir so gut, was ihr macht. Endlich sind da Menschen, die selbstbewusst und laut das fordern, was wir zaghaft und nur manchmal laut angemahnt haben. Endlich sind da junge Menschen, die konsequenter als wir damals eintreten für eine Politik, die Ernst macht mit der Erkenntnis, dass wir nicht auf Dauer auf Kosten dieses Planeten leben können. Ihr seid da, ihr seid laut, ihr steht selbstbewusst zu euren Forderungen und lasst kein „aber“ und keine Häme gelten. Ihr wisst die Wissenschaft an eurer Seite.

Ich laufe als Ordner mit bei euren Demos und habe Tränen in den Augen. Tränen der Freude, dass es jetzt endlich, endlich so weit kommt. Und Tränen der Scham, dass unsere Generation das nicht geschafft hat, was ihr jetzt tut. Tränen der Scham auch, weil wir es nicht hingekriegt haben, euch eine bessere Erde zu hinterlassen. Tränen der Scham, dass diese Demos überhaupt nötig sind.

Liebe Jugendliche von Fridays for Future, es tut so gut, was ihr macht. Ihr seid tatsächlich die Zukunft. Ihr gebt mir und vielen anderen neue Hoffnung. Ich werde euch unterstützen, so gut ich kann. 

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