Die Angstprediger: Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern

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Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, natürlich eine generelle und hasserfüllte Ablehnung des Islam. Eine für mich ans Irrationale grenzende Ablehnung von Homosexualität und „Ehe für alle“. Die völlig abstrusen Vorwürfe, die verfasste Kirche setze alles daran, unsere „abendländische“ Kultur zu vernichten: Alles das erlebe ich als Pfarrer immer wieder gerade bei Menschen, die sich Christen nennen. Für viele, auch für mich, ist absolut klar: Das Menschenbild der AfD, erst recht der NPD und ähnlichen Parteien ist mit dem christlichen nicht vereinbar. Doch offensichtlich ist das nicht so common sense, wie ich gerne denken würde.

Woher kommt das teilweise rechtsextreme Gedankengut im Christentum? Wie kommt es zu der Verquickung eines sehr konservativen Christentums mit diesen Parteien?

Liane Bednarz ist in ihrem Buch „Die Angstprediger“ genau dieser Frage nachgegangen. Schon Titel und der Untertitel „Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“ zeigt, wohin die Reise geht.

Liane Bednarz hat ein unglaubliches Detailwissen zu Personen der rechten Szene. Sie selbst sieht sich durchaus als „konservativ“, aber eben nicht „rechts“, geschweige denn rechtsradikal. Dazwischen unterscheidet sie recht genau. Ihr Anliegen ist es offensichtlich eben nicht, einfach nur auf „die bösen rechten Christen“ einzuhacken, sondern im Gegenteil: Aufzuzeigen, woher diese Überzeugungen kommen. Verständnis zu wecken. Gleichzeitig aber auch klare Grenzen zu ziehen, wo ihrer Meinung nach gezielt von Akteuren der rechten Szene immer wieder Grenzüberschreitungen im Sprachgebrauch und im Denken vollzogen werden.

Bednarz kennt viele Namen von Akteurinnen und Akteuren, hat deren Äußerungen auf Tagungen und in Artikeln ebenso verfolgt wie auf Blogs oder bei Facebook. So zeigt sie zum Teil sogar auf, wie einzelne sich politisch immer weiter nach rechts außen entwickelt haben. Für mich persönlich waren es manchmal fast zu viele Namen, die ich mir doch sowieso nicht merken kann. 

An vielen einzelnen Punkten arbeitet Bednarz heraus, wo ursprünglich gut christliche Positionen bei den „rechten Christen“, bei der AfD usw. aufgenommen, aber verzerrt werden. Insbesondere vier Themenbereiche arbeitet sie dabei heraus: Die Ablehnung des Islam, die Ablehnung des Gender Mainstreaming, Ablehnung der Homoxexualität und insbesondere der „Ehe für alle“. Sie greift dabei auch einzelne Themen auf, die immer wieder genannt werden, etwa die angebliche Umbenennung von Weihnachtsmärkten in „Wintermärkte“, die Kreuzabnahme der Bischöfe Bedford-Strohm und Marx am Tempelberg und andere.

Gerade durch ihre eigene eigentlich konservative Grundhaltung gelingt es Bednarz, die Gründe für manche Standpunkte einfühlsam darzustellen, dann aber die weitere Entwicklung dieser Themen fundiert zu kritisieren. Für mich ist es kein Buch, das alle „rechten Christen“ einfach nur in die Pfanne haut. Es ist eine sehr differenzierte, engagierte, aber auch durchaus persönlich wertende Bestandsaufnahme einer selbst konservativen Autorin. Dadurch wird es eine große Hilfe, überhaupt erst einmal zu verstehen, was in vielen Menschen vorgeht, die dieser rechten Szene zuneigen.

Sprachlich ist es leider manchmal nicht ganz so leicht zu verstehen. Es ist definitiv kein Buch zur Entspannung zwischendurch, das kann es bei dem Thema sicher auch nicht sein. Ich kann es trotzdem jedem nur empfehlen. Und zwar sowohl denen, für die „rechte Christen“ ein absoluter Fremdkörper sind, als auch denen, die sich selbst dazu zählen. Die eher „Linken“ würden vielleicht etwas mehr Beweggründe verstehen. Die eher „Rechten“ würden sich in ihrer konservativen Haltung grundsätzlich bestätigt fühlen, aber dennoch – so hoffe ich – darüber ins Nachdenken kommen, wo im rechten Denken wichtige Grenzen überschritten werden, die mit dem Christentum eben nicht mehr vereinbar sind. Also bitte: Lest dieses Buch.
 

Kuschelpunkte: 

5

Buchinformationen: 

Liane Bednarz: Die Angstprediger: Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern. Broschiert, 256 Seiten, Droemer Verlag, ISBN 978-3-4262-7762-1, 16,99 € (E-Book: 14,99 €)
 

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