Den Himmel gibt's echt

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Update 29.5.2014: Jetzt gibt es sogar einen Film dazu. Einen Artikel dazu finden Sie bei evangelisch.de 

Mit Nahtoderfahrungen hatte ich mich in den letzten zwei Büchern (hier und hier) schon ausgiebig beschäftigt und dachte: Jetzt lese ich mal was anderes. Auf der Suche nach diesem „anderen“ in meiner Bücherliste auf dem Kindle fand ich dann aber noch dieses, das ich wohl während der Tagung, in der ich mit dem Thema NTE in Berührung kam, spontan noch gekauft hatte.

Hier geht es um die Erzählungen eines kleinen Jungen, der im Alter von drei Jahren beinahe gestorben wäre. Sein Vater ist Pfarrer in den USA, und zwar von einer Konfession, die ich noch nie vorher gehört hatte. Seine Theologie, soweit sie hier durchschimmert, kommt mir ein wenig naiv vor, auch wenn ich ihn fast darum beneide, gerade, was das Vertrauen auf eine direkte Gebetserhörung angeht. Vielleicht sind wir Europäer, insbesondere die Protestanten, da manchmal auch einfach zu verkopft.

Das Buch war relativ schnell durchgelesen. Leider finden sich etliche ganz simple Fehler im Buch,insbesondere,so wie hier,fehlende Leerzeichen nach Komma oder Semikolon. Mich nervt das. Das Buch ist einerseits flüssig geschrieben – wir Pfarrer haben da ja durchaus etwas Übung drin. Andererseits teilweise auch sehr langatmig, mit Exkursen, die jetzt nicht wirklich zum Thema gehören. Es ist fast mehr eine Autobiographie der schweren Zeit mit vielen Krankheiten des Vaters, die dann in der beinahe tödlichen Erkrankung des kleinen Colton gipfelten.

Erst in den Monaten und Jahren danach erzählt Colton von seinen Erlebnissen, dier er, als kleiner Junge, mehr oder weniger einfach hingenommen hat und sehr unbedarft berichtet: Während er operiert wurde, hatte er gesehen, wie sein Vater in einem anderen Raum betete (was dieser ihm nie erzählt hatte) und seine Mutter wieder in einem anderen Raum telefonierte. Jesus hat mit ihm gespielt. Er hat seine kleine Schwester getroffen, die bereits im zweiten Schwangerschaftsmonat gestorben war und von der er gar nichts wusste. Auch seinen Uropa, der vor seiner Geburt gestorben war, erkennt er wieder – und zwar nicht auf einem der letzten Bilder, sondern auf einem uralten Gruppenfoto, auf dem er etwa 30 Jahre alt ist. Und: Nachdem er Hunderte von Jesusbildern im Lauf der Zeit als „falsch“ abgetan hatte, erkennt er Jesus ausgerechnet in dem Bild wieder, das ein anderes Mädchen mit Nahtoderfahrung gemalt hatte, die ihrerseits nie mit religiösen Vorstellungen in Kontakt gekommen war.

Das Buch lässt mich skeptischer zurück als die anderen beiden, und das ausgerechnet deshalb, weil es in der Beschreibung des Himmels so nahe an der christlichen Bibel ist. Nicht, dass ich nicht an ein Leben nach dem Tod glauben würde – aber ich denke doch, dass alle unsere Vorstellungen vom Jenseits viel zu kurz greifen. Dass das, was dann kommt, weit über unsere Vorstellungskraft hinausgeht. Und nun kommt hier ein kleiner Junge und erzählt, er habe Jesus gesehen, gekleidet in ein weißes Gewand mit einer lila Schärpe, sitzend zur Rechten Gottes.

Coltons Vater und Autor dieses Buches beteuert, dass er sehr gewissenhaft überprüft hat, dass sein Sohn diese Beschreibungen nicht schon aus irgendwelchen Bibeln, aus dem Kindergottesdienst oder sonstwo her haben konnte. Und dass er auch seine Fragen sehr gut überlegt hat, um seinem Sohn nicht irgendwelche Vorstellungen vorzugeben. Ich glaube ihm das und bleibe dennoch zögerlich.

Viel mehr Fragen offen als beantwortet. Ich denke, eines Tages werde ich die Antworten erfahren. Aber nicht in diesem Leben.

Was bleibt als Essenz aus allen diesen drei Büchern: Der deutliche Hinweis, dass da mehr ist als wir wissen und erkennen können. Und dass der Tod nicht das Ende ist. Natürlich: Kein Beweis. Aber doch Hoffnung.

Für die Langatmigkeit und auch für die handwerklichen Kleinigkeiten ziehe ich zwei Kuschelpunkte ab. Inhaltlich bin ich, wie gesagt, skeptischer als bei den anderen beiden Büchern, obwohl ich dem Autor durchaus abnehme, dass er das alles mit großer Sorgfalt erforscht hat. Trotz allem: Ein interessantes Buch.

Kuschelpunkte: 

3

Buchinformationen: 

Todd Burpo, Lynn Vincent, Doris C. Leisering (Übersetzerin): Den Himmel gibt's echt: Die erstaunlichen Erlebnisse eines Jungen zwischen Leben und Tod. Originaltitel: Heaven is for real. Gebundene Ausgabe, 160 Seiten, Verlag: Scm Hänssler; 13. Aufl. (17. Dezember 2013), ISBN 978-3-7751-5278-5, 14,95 €

E-Book 11,99 €.

Ergänzende Bücher, nicht von mir gelesen:

  • Todd Burpo: Den Himmel gibt's echt - Gesprächsimpulse, Broschiert: 109 Seiten, Verlag: Scm Hänssler; 2. Aufl. (6. Dezember 2013), ISBN: 978-3-7751-5460-4, 6,95 €
  • Todd Burpo, Sonja Burpo: Den Himmel gibt's echt - Das Buch zum Weiterdenken. Gebundene Ausgabe: 208 Seiten. Verlag: Scm Hänssler; 1. Aufl. (15. Januar 2013) ISBN: 978-3-7751-5430-7, 15, 95 € 

 

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