Johannes

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Angeregt durch die Aufgabe, zehn Bücher aufzuschreiben, die mir spontan ins Gedächtnis kommen und mich irgendwie beeinflusst haben, erinnerte ich mich an ein Buch, das ich schon vor sehr langer Zeit gelesen hatte: Johannes.

Meine Frau hatte es vor etwa 20 Jahren von ihrer Kirchengemeinde geschenkt bekommen. Und irgendwie war es mir im Gedächtnis geblieben als ein Buch, das mich sehr berührt und auch beeinflusst hat, ohne genau zu wissen, warum. Doch, eine Aussage war mir immer noch präsent. Ohne das Buch zu dem Zeitpunkt wieder gelesen zu haben, hatte ich sie so zusammengefasst: „Du hast immer eine Wahl, was du tust oder lässt. Nur gehört zu dieser Wahl halt auch, die daraus resultierenden Folgen anzunehmen.“

Ja, das ist wohl schon ziemlich die zentrale Botschaft des etwas 100 Seiten starken Büchleins. Verbunden mit der These, dass uns meist nur unsere Angst zurückhält, das zu tun und der oder die zu sein, die wir eigentlich sein wollen und auch sein sollten.

Natürlich wirkt ein Buch, das 1978 erschienen ist, heute an manchen Stellen etwas wie aus der Zeit gefallen. Es hat mich beim zweiten Lesen auch nicht ganz so berührt, stellenweise fast gelangweilt. Die „Handlung“, wenn man sie so nennen kann, ist eher nur ein Rahmen für ein philosophisches Gespräch zwischen einem geheimnisvollen alten Mann (Johannes) und dem Ich-Erzähler Klaus. Und in dieser Philosophie geht es eigentlich nur um das gute alte „Erkenne dich selbst!“

Vielleicht habe ich mich inzwischen weiterentwickelt. Vielleicht ist es einfach auch zu sehr ein Buch seiner Zeit: Würde ich es heute zum ersten Mal lesen, käme es wohl eher nicht in meine Liste der „Zehn Bücher“. Dass Klaus mehr oder weniger bei jedem zweiten Satz von Johannes in Tränen ausbricht, weil ihn die Sätze so sehr treffen, finde ich heute eher nervig. Die laut Klappentext „konkreten und realistischen Vorschläge zur Verbesserung seiner persönlichen Situation“ finde ich doch sehr vage und unbestimmt.

Trotz allem: Der Grundgedanke, den ich oben ja schon genannt hatte, wird überzeugend dargestellt. Und er ist es wirklich wert, einmal darüber nachzudenken.

Mag sein, dass es ein bisschen naiv ist, zu sagen: Du hast immer eine Wahl. Es stimmt einfach nicht. Aber auf jeden Fall viel öfter, als wir uns das so denken. Und ein Appell, das eigene Leben intensiver zu genießen, bewusster wahrzunehmen, angstfreier zu leben – der kann eigentlich die verkehrt sein.

Über eine Million Mal wurde dieses Buch verkauft, habe ich auf Wikipedia gelesen. Ich glaube, in seiner Zeit war es wirklich ein wegweisendes Heft. Ich habe gezögert, ob ich ihm heute noch die volle Punktzahl geben soll. Aber ich tue es, sozusagen aus Dankbarkeit für diese erste Begegnung vor ungefähr 20 Jahren.

Derzeit ist Johannes nicht lieferbar. Ich weiß nicht, ob es nochmal aufgelegt wird. Bei über einer Million gedruckter Exemplare sollte es aber auch ziemlich leicht antiquarisch aufzutreiben sein. Ich denke: Es lohnt sich immer noch.

Kuschelpunkte: 

5

Buchinformationen: 

Körner, Heinz: Johannes. Erzählung. Broschiert: 104 Seiten, Lucy Körner Verlag, 41. Auflage 2000, ISBN 978-3922028000, 12,50 €

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